Der mußte aber auch sein.
Heute habe ich nämlich den bisher schönsten Tag hier erlebt.
Nach einer nicht sehr langen Nacht (dazu später) bin ich noch etwas angekatert aus dme Bett gefallen und mußte auch noch meine Mitbewohnerin aus der KOJE schmeißen. Grund dafür: Wir mußten um viertel nach neun (das ist viertel nach acht bei euch, also wirklich sehr sehr früh!) an der Bushaltestelle sein, um dann mit der GANZEN TRUPPE an den Näsijärvi zu fahren und da PADDELN zu gehen. Wers noch nicht weiß: Finnland ist voller Seen. Überall, und auch Tampere befindet sich mitten zwischen ein paar riesigen Seen. Sehen kann man das hier:
Der Bootsverleih ist ungefähr eine halbe Stunde von hier entfernt. Da haben wir dann Pekka getroffen, der mir, bevor er uns die Paddel ausgehändigt hat, erstmal einen Vortrag über das Lemma von Poincaré gehalten hat. Hm, er wußte besser bescheid als ich. Danach haben wir noch einen kleinen Paddel-Crashkurs bekommen und ab gings. (Erkenntnis schon mal hier: Die Finnen sind furchtbar freundlich und sehr hilfsbereit. Mama und Papa, wir sind hier gut aufgehoben!)

Das ist leichter gesagt als getan, denn das Lenken ist in einem Kanu gar nicht so einfach, wies aussieht. Statt der geplanten zehn Kilometer sind wir dank unseren Schlangenlinien wahrscheinlich um die zwanzig gefahren...
Aber trotzdem: Das frühe Aufstehen hat sich absolut gelohnt!
Es war traumhaft. Die Landschaft sah aus wie auf der Postkarte, überall um einen rum nur Wasser, am Rand Bäume und überall lauter kleine Inselchen. Wenn man das sieht, dann weiß man, weshalb man in Finnland ist.
Ich weiß jetzt auch endlich, was die Leute meinen, die immer davon schwärmen, daß in Finnland so eine Ruhe herrscht. Weit und breit keine Menschenseele, kilometerweit nur See und Wald und alles was man hört, sind die Kanugeräusche. Ich war BEGEISTERT.


Wir waren ungefähr vier Stunden lang auf dem Wasser, haben ab und zu mal bei einer Insel eine kleine Paddelpause gemacht, haben auf dem Wasser rumgechillt (ui, jetzt benutze ich das Wort auch schon - tut mir leid!) und haben noch ein kleines Rennen eingelegt. Dreimal dürft ihr raten, welches Team gewonnen hat, jahaa! Geschwommen sind wir auch, es war zwar nicht so warm wie im Heiligen See, aber wenn man erstmal drin war, war es auszuhalten.
Hinterher waren wir alle ziemlich fertig, aber sehr glücklich. Ich habe übrigens noch gar keinen Muskelkater! Der kommt dann morgen. Dafür habe ich hier doch tatsächlich einen Sonnenbrand gekriegt, den selbst in Potsdam nicht hatte.
Ein paar Fotos gibts jetzt natürlich auch noch.







Ach übrigens. Nicht alles an Finnland ist toll. Wir waren ja gestern abend noch weg. Nachdem wir unser Billigbier ausgetrunken haben (Billigbier = 6 Euro für einen Sixpack), haben wir uns auf die Suche nach einem netten Club gemacht. Viisi Euroa Eintritt gezahlt (also fünf) und dafür die schlechteste Musik bekommen, die ich in meinem Leben jemals gehört habe. Scooter war da noch die Crème de la crème! Brrr. Die ersten zwei Stunden lang war das ja noch lustig, aber danach einfach nur noch furchtbar. Ich hoffe sehr, daß ich einfach den schlechtesten Club der Stadt erwischt habe (wirkte nur leider nicht so) und daß man selbst hier noch gute Musik finden kann. Es MUSS doch noch mehr als Nightwish, The Rasmus, HIM und Billigtechno geben! Betrinken aus Verzweiflung kann man sich auch nicht, denn dafür müßte man ja leider Millionär sein. Einziges Gegenmittel: So lange genervt rumstehen und böse kucken, bis auch der Rest der Truppe keine Lust mehr hat und mit raus kommt.
Und draußen bestätigen sich jetzt alle Vorurteile, die man so über Finnen kennt: Sind sie tagsüber still und zurückhaltend, so verwandeln sie sich nachts - ab einer gewissen Promillegrenze, die von so ziemlich allen überschritten wird, vorzugsweise mithilfe von Wodka - zum Tier. Der Nachtbus zurück zum Wohnheim war ein einziger Partybus und mir wurden die ersten finnischen Trinklieder beigebracht. Und mir dann zuletzt erklärt, daß sie ein sehr sehr nettes Volk sind.
Ja, sind sie, und ich freue mich auf das nächste halbe Jahr!











